„Auch so ein Erfolgsmodell.“

Die iX aus dem Hause heise macht sich lakonisch lustig über die De-Mail. Oliver Diedrich schreibt im Editorial 6/2017:

„Oh, fast vergessen: Natürlich lässt sich mit dem Online-Ausweis ein De-Mail-Konto eröffnen. Auch so ein Erfolgsmodell.

Wenn alles gut läuft, kommt am Ende etwas heraus, das die Einfachheit von Google mit Datenschutz nach europäischen Vorstellungen verbindet – das wäre ein echter Gewinn. Wahrscheinlich kriegen wir aber einen Dienst, der mit deutscher Gründlichkeit und allerhöchsten Sicherheitsstandards die Nützlichkeit des Online-Ausweises mit der Verbreitung von De-Mail kombiniert. „

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De-Mail als Galaxy Note 7

Die De-Mail ist weiterhin kein iPhone: sie verkauft sich nicht von allein. Da mag die Bundesregierung sich auch mühen und zahllose Schriftformerfordernisse vor allem des besonderen Verwaltungsrechts ablösen und durch die Möglichkeit ersetzen, De-Mails an die Behörden zu senden: Die Nutzung bleibt gering:

Laut dem diesjährigen eGovernment MONITOR steigt zwar die E-Government-Nutzung in Deutschland, die Online-Ausweisfunktion sowie De-Mail bleiben aber unbeliebt.

Die Ergebnisse für Deutschland sind ernüchternd: 45 Prozent der Befragten besitzen laut der Studie kein De-Mail-Konto und möchten es auch künftig nicht beantragen, 35 Prozent kennen das Angebot nicht.

(Kommune 21)

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De-Mail in SH

Wie das Flensburger Tageblatt mitteilt, berichtet die Staatskanzlei Schleswig-Holsteins auf eine Anfrage der Piraten im Landtag (in der Drucksache 18/4170, in Vorbereitung) über den bisherigen Aufwand des Landes zur Einführung von De-Mail: Danach

arbeitet die Staatskanzlei in Kiel bereits seit drei Jahren an der Einführung der De-Mail für alle Kommunen des Landes – bislang jedoch ohne sichtbares Ergebnis, dafür aber mit erheblichen Kosten. Der Landtagsabgeordnete [der Piraten] Uli König hat errechnet: „Seit 2013 wurden schon über 100.000 Euro Steuergelder investiert.“

De Ergebnisse seien allerdings mäßig.

Das einzige Trostpflaster sehen die Piraten darin, dass noch keine regelmäßigen Betriebskosten dazukommen – weil der Service ja noch gar nicht verfügbar ist.

Auch außerhalb der Landesverwaltung werde das System nicht genutzt, erklärt die Zeitung genüsslich: Es gebe in Schleswig-Holstein überhaupt nur drei Nutzer: einen Hersteller von Stalleinstreu, die Deutsche Rentenversicherung Bund und die Handwerkskammer Lübeck. Jedenfalls in der Theorie.

Der IT-Mitarbeiter [der Handwerkskammer] Martin Becker hat über die verschlüsselten Mails Buch geführt. Die Liste ist kurz. Ganze zwei De-Mails erreichten die Handwerkskammer in zwei Jahren.

Flensburger Tageblatt, e-Government-Gesetz — De-Mail: SH hadert mit der Verschlüsselung (24. Mai 2016)

[Update 2016-07-18] Der Link zur Landtags-Drucksache wurde ergänzt. [/Update]

„nur die Technikinteressierten“

Thomas Jarzombek ist „netzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion“ und ihr Vertreter im Ausschuss „Digitale Agenda“ des Bundestages. Jüngst durfte er in der Wochenzeitung „Das Parlament“ in einem so genannten Interview die bescheidenen Pläne der Bundesregierung zum Breitbandausbau loben („ambitioniertes Ziel“, „großes Förderprogramm“, „ konkrete Regelungen“, „ Internet ohne Verzögerung“, usw. usf.). Dabei machte er auch einen Schlenker zur De-Mail:

„Man kann aber keine sinnvollen Anwendungen ermöglichen, wenn kaum jemand dabei mitmacht. Ähnlich [wie beim neuen Personalausweis, J.S.] ist es bei der De-Mail. Die müsste jeder bekommen, der eine E-Mail-Adresse hat. Ansonsten nutzen es nur die Technikinteressierten. Und das reicht nicht.“

Hm. In meinem Internet gibt es nur zwei Technikinteressierte mit De-Mail. Von denen es vielleicht genau keiner nutzt.

Wollen wir nur hoffen, dass Jarzombek hier nicht Pläne zur Nutzungspflicht spoilert („Die müsste jeder bekommen, der eine E-Mail-Adresse hat.“).

.de-Mail

Es ist nur eine Petitesse, aber eine schöne, die zeigt: Niemand kennt De-Mail, auch nicht die, die über sie schreiben. Und das fünf Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes.

Der Rundfunk-Berlin-Brandenburg berichtet über die Berliner Planungen für ein landeseigenes E-Government-Gesetz. Und schreibt hierzu unter anderem:

Die Kommunikation zwischen Behörden und Berlinern soll über eine .de-Mail-Adresse und verschlüsselt stattfinden – um sich den Amt zum Gang vielleicht sogar in Zukunft ganz und gar sparen zu können.

2016-04 rbb
„.de-Mail“. Als sei wesentlich nur, dass die Adresse des Mailanbieters eine deutsche TLD ziere.

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De-Mails für Private weiterhin kostenlos

Bei der Telekom kosten gewöhnliche De-Mails bis ins Jahr 2018 weiterhin nichts:

2015-11-30 telekomEs ist zu erwarten, dass die anderen Anbieter nachziehen. Darunter auch 1&1 mit seiner Marke web.de, wo De-Mails derzeit nur Null Euro Sternchen kosten:

2015-11-30 webde(Heißt: Neben der Einrichtungsgebühr insbesondere zur Identifizierung kommen Kosten für Sonderversandleistungen hinzu; Standard-De-Mails kosten nichts „bei De-Mail Flat“, was immer die wieder kostet.)

De-Mail ist weiterhin kein iPhone.

De-Mail im „Ausschuss Digitale Agenda“

Am 23. September 2015 diskutierte der Ausschuss „Digitale Agenda“ des Bundestages unter anderem den „Bericht der Bundesregierung zum Thema aktueller Stand De-Mail“. Die Sitzung war nicht-öffentlich, ebenso  wie der Bericht, wenn es sich nicht um den Evaluationsbericht vom Februar 2015 handelte. Man darf aber wohl annehmen, dass Bericht wie Diskussion ein wenig enttäuschend ausfielen. Denn Thomas Jarzombek als Vertreter der CDU im Ausschuss lässt in einer Pressemitteilung verlautbaren:

De-Mail hat leider bislang noch keinen hinreichenden Erfolg, nur rund eine Million Nutzer sind viel zu wenig. … Allein die Nutzung für Behördenkommunikation ist zu wenig, um die Menschen für die Registrierung bei De-Mail zu gewinnen.

Aber: Hilfe naht! In Form von mehr Anwendungen („Ein Beispiel könnte mittelfristig die Anwendung im Gesundheitsbereich sein.“) und einer leichteren Registrierung:

Zudem muss De-Mail vor allem bei der Registrierung einfacher werden: Es sollten künftig Bürger bei der Beantragung eines neuen Personalausweises in ihrem Bürgerbüro gleich eine Registrierung für De-Mail in einem Schritt mit erledigen können.

Ich bin gespannt!

De-Mail als Sinnbild eines Trauerspiels

In der — pardon! — Welt resümiert Stefan @doener Dörner unter der restoptimistischen Überschrift „Großbaustelle Digitalisierung“ sehr lesenswert die mageren Ergebnisse der Digitalpolitik des in den Zeiten von „Maschinen, Stahl, Schrott und Schrauben“ einst so erfolgreichen Deutschlands. Die Einleitung bestimmt den Tenor des Kommenden:

Aus den USA kommen Google, das iPhone und Facebook – aus Deutschland kommt De-Mail.

Und so geht es weiter, gespickt mit wunderbaren Zitaten:

Vier Jahre später kommt der eGovernment Monitor 2015 der Initiative D21 in einer Umfrage unter deutschen Internetnutzern zum ernüchternden Fazit: „Das Thema De-Mail scheint in der deutschen Bevölkerung weiterhin wenig präsent zu sein.“

 

De-Mail sei nicht mehr als ein „sicher konfigurierter E-Mail-Server“, sagt Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Für ihn ist die Technik Geldverschwendung

 

Für Thomas Jarzombek, digitalpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist De-Mail ein „viel zu isoliertes System“ und die „Benutzerfreundlichkeit miserabel„.

 

„Die Nutzungszahlen sind glaube ich ziemlich verheerend„, sagt Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

 

Die United Internet AG hat den Vertrieb der De-Mail-Angebote inzwischen „heruntergefahren, bis es die ersten Massenanwendungen gibt“, sagt Jan Oetjen, Geschäftsführer GMX und WEB.DE – den beiden E-Mail-Angeboten des deutschen Unternehmens.

Es wäre lustig, wäre es nicht so traurig.

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Zwei Leute mit De-Mail

Detlef @dborch Borchers twitterte gestern:

Catch-22 live: Im Poststreik auf #DeMail umsteigen scheiterte vielerorts am Ident-Verfahren der ……. Post.“

Woraufhin Volker @vowe Weber entgegnete:

„Ich kenne zwei Leute mit #DeMail. Einer wohnt in Berlin und schreibt drüber. Der andere verkauft #Inkamail.“

[Erklärlinks nur hier.]

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